Hintergrund-Informationen zum Life-Projekt

Drei FFH-Gebiete des Nationalparks sollen im Zuge des Projektes von 2011 bis 2015 in einen naturnäheren Zustand versetzt werden: Der Kermeter und die Bachtäler auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Vogelsang sowie das Gebiet Dedenborn, Talaue des Püngel-Wüstebaches und Erkensruhroberlauf. Alle Projektgebiete sind Teil von NATURA2000 dem staatenübergreifenden Netz von Gebieten zum Schutz der Natur in der Europäischen Union. Dieses Schutzgebietsnetz soll das Vorkommen charakteristischer Lebensräume in der EU und seltener Tier- und Pflanzenarten sichern und für nachfolgende Generationen erhalten. Die Projekt-Gebiete liegen nahezu vollständig im Nationalpark Eifel. So sind die Gebiete langfristig vor negativen Einflüssen geschützt und die im LIFE+-Projekt umgesetzten Maßnahmen kommen auf lange Sicht dem Artenschutz zugute.

Was genau sind nun die Ziele und Maßnahmen in dem Projekt „Wald-Wasser-Wildnis"? Nach Ende des Projektes sollen die Gebiete möglichst große zusammenhängende, störungsfreie und weitestgehend naturnahe Wald- und Wasser-Lebensräume aufweisen. Der Kermeter ist geprägt von großen Laubwäldern, mäandrierende Bäche schlängeln sich durch die Täler von Vogelsang und Dedenborn. In vielen dieser von Wald und Wasser geprägten Lebensräume kommen Tier- und Pflanzenarten vor, die in Nordrhein-Westfalen gefährdet sind. Doch sind an einigen Stellen die Bäche durch Rohre oder andere Bauwerke unterbrochen, die für viele im Wasser lebende Arten Wanderbarrieren darstellen. Entlang der Bäche wurden (auf aufgegebenen Wiesen) in der Vergangenheit häufig reine Nadelbaumbestände angepflanzt. Auch in den Laubwäldern wurden vor allem auf Kriegsblößen großflächig wirtschaftlich interessantere Nadelbäume eingebracht. Auch wenn an vielen Stellen der Nadelwald schon abgeholzt wurde, verhindert eine starke Naturverjüngung von Fichte und Douglasie, dass Laubwälder entstehen.

Um die Wälder und Bäche wieder in einen weitestgehend naturnahen Zustand zu versetzten, sind für die kommenden fünf Jahre über 240 Maßnahmen an Gewässern und über 320 Maßnahmen in Waldlebensräumen geplant. In dieser Wildnis sollen in Zukunft viele vom Aussterben bedrohte Pflanzen und Tiere wie Prächtiger Dünnfarn, Schwarzstorch und Groppe dauerhaft einen Lebensraum finden. Zum Projektende sollen die Bäche wieder für die Flussperlmuschel geeignete Lebensbedingungen bieten. Um Ruhezonen zu schaffen, in denen scheue Tiere wie die Wildkatze und vielleicht auch der Luchs Rückzugsgebiete finden, werden in den Gebieten Dedenborn und Vogelsang insgesamt 6300 Meter Wege entfernt, die nicht mehr Bestandteil des offiziellen Wegenetzes im Nationalpark sind. Bei einer Art helfen die Biologen aktiv nach. Der Steinkrebs lebt in den Bächen der Mittelgebirge und weist in Nordrhein-Westfalen neben einem Gewässer in der Eifel nur ein weiteres Vorkommen auf. Im Projektgebiet soll er an geeigneten Stellen ausgesetzt werden und die Bäche dann aus eigener Kraft besiedeln.

Damit die Maßnahmen auch auf ihren Erfolg überprüft werden können, finden begleitend wissenschaftliche Untersuchungen statt. Über all dies wird die Öffentlichkeit während der Projektlaufzeit regelmäßig informiert. Dafür sind z.B. Ausstellungen, Veranstaltungen, eine Internetpräsenz, Broschüren, Presse- und Medienbeiträge vorgesehen. Im Nationalpark selbst werden Wanderer in Bälde auf Informationstafeln treffen, die auf die Naturschutzmaßnahmen im Life-Projekt „Wald-Wasser-Wildnis" aufmerksam machen.