Typisch Eifel: Der Mittelgebirgsbach

Ein weitgehend natürlicher Mittelgebirgsbach im Nationalpark Eifel

Ein weitgehend natürlicher Mittelgebirgsbach im Nationalpark Eifel © Dr. Harald Groß

Bäche sind natürliche Fließgewässer, die im Gegensatz zum Fluss einen kleineren Querschnitt und eine geringere Wassertiefe aufweisen. Außerdem führen sie weniger Wasser.

Durch die Täler von Kermeter, der Dreiborner Hochfläche sowie Dedenborn und Wahlerscheid fließen zahlreiche Mittelgebirgsbäche. Sie unterscheiden sich von Bächen der Hochgebirge dadurch, dass das Gefälle geringer und damit auch die Strömung nicht so stark ist. Das Wasser fließt von der Quelle aus in einem Bett, das je nach Untergrund sehr flach und breit sein kann oder schmal und tiefer eingeschnitten. Je nach Fließgeschwindigkeit werden größere und oder kleinere Partikel vom Wasser abtransportiert oder abgesetzt. Wenn der Bach sich in sogenannten Mäander schlängelt, entstehen Prall- und Gleitufer. An den Prallufern trägt das Wasser Material ab, an den Gleitufern werden Sand und Kies abgelagert. In den für die Eifel typischen Kerbtälern verlaufen die Bäche entlang des Berghanges mehr oder weniger geradlinig. Hier sorgen andere Elemente für Struktur:

Durch die von Natur aus Bach begleitenden Buchen- und Auwälder gerät Totholz und Laubstreu in den Bach. So entsteht in dem Gewässer eine Vielzahl unterschiedlicher Kleinlebensräume mit einem Nährstoffangebot in Form von abgestorbenen Pflanzenteilen. Daher finden in einem Mittelgebirgsbach viele unterschiedliche Tierarten einen Lebensraum.

In der felsig-steinigen Gewässersohle des Mittelgebirgsbaches lagern sich auch Kieselsteinen unterschiedlicher Größe ab. Hier befindet sich der Lebensraum für die Kleinsten im Bach. In den wasserdurchströmten Zwischenräumen ist die Sauerstoffversorgung gut und die Tiere sind vor Fraßfeinden geschützt. Man nennt diesen Lebensraum Kieslückensystem. Neben Insektenlarven und Bachflohkrebsen reifen hier auch Fischeier heran.

Die Bachforelle Salmo trutta fario

Die Bachforelle Salmo trutta fario © Dr. Harald Groß

Die Bachforelle findet in Mittelgebirgsbächen Lebensräume für alle Generationen. Kiesige Bereiche um abzulaichen und für die Entwicklung der Eier, kleine und weniger tiefe Bereiche als Kinderstube und tiefere Stellen für die erwachsenen Tiere. Da diese verschiedenen Bachlebensräume vom Quellbereich bis zur Mündung des Baches in einen anderen Bach oder Fluss verteilt sind, ist es für die Bachbewohner wichtig, den Bach in seinem gesamten Lauf nutzen zu können.

Die Bäche in den Projektgebieten sind weitestgehend naturnah geblieben. Dennoch wurden sie durch die ehemalige forstliche und militärische Nutzung an vielen Stellen verändert. Wehre und Rohre wurden eingebaut, die Wanderbarrieren für Fische und andere Bachbewohner darstellen. Durch Begradigungen und befestigte Ufer (Steinstickungen) sind die bachtypischen Kleinstlebensräume wie Vertiefungen (Kolke), Sandbänke und Schnellen stellenweise verloren gegangen. Die Aufforstung mit Nadelbäumen in den Auwaldbereichen hat zur Folge, dass die Bäche stark beschattet werden. Die Nadelstreu säuert das Gewässer an und kann den Bachlebewesen, die von totem organischen Material leben, nicht als Nahrung dienen.