So wenig wie möglich, so viel wie nötig

"Natur Natur sein lassen" ist das Motto des Nationalparks. Und es war auch Motto bei der Durchführung des Life+ Projektes. Das langfristige Ziel für den Nationalpark ist es, weitgehend natürliche Lebensräume für eine heimische Tier- und Pflanzenwelt dauerhaft zu erhalten. Diesen Weg soll die Natur selbst gehen, der Mensch nicht ihr ständiger Begleiter sein. "Prozessschutz" nennen es die Fachleute, wenn z.B. ein Stück Wald völlig sich selbst überlassen wird. Aber um den Weg in die Wildnis beschreiten zu können, bedurfte es noch einiger Eingriffe, die störende Hinterlassenschaften menschlicher Nutzung beseitigen.

Naturnahe Waldlebensräume

Bestände mit alten und jungen Nadelbäumen wurden entfernt. Denn die Fichten und Douglasien in den Projektgebieten sind Relikte früherer Forstwirtschaft. Von Natur aus wachsen in der Eifel nur Laubbäume, Nadelgehölze sind in dieser Region nicht heimisch.
Um die Entwicklung vom Nadelforst zum Laubwald zu beschleunigen, wurden in lichten Nadelwäldern Rotbuchen gepflanzt. Auf bereits entfichteten Flächen wurden Gatter aufgebaut, die die hier aufkeimenden Laubbäume vor Wild schützen, das v.a. im Winter die Rinde junger Bäume abnagt.

Barrierefreie Fließgewässer mit naturnahen Bachauen

Bachbegradigungen und Uferbefestigungen wurden beseitigt; Rohre und Wehre wurden entfernt  und – wo nötig – durch Brücken ersetzt. Der Bach soll sich sein Bett selbst suchen und durchgehend von den Bachbewohnern erschlossen werden können.

Wenn Schlamm (Feinsediment) in den Bach gespült wird, verstopft dieser die Räume zwischen den Steinen am Gewässergrund (Kieslückensystem). In diesen Zwischenräumen leben die Larven zahlreicher Insektenarten und Bachflohkrebse. Auch Fischeier wachsen hier heran. Um zu verhindern, dass Feinsediment in den Bach gespült wird, wurden verschiedene Maßnahmen durchgeführt. Dazu gehörte auch, dass Teiche, durch die ein Bach fließt, stillgelegt oder "beiseite" gelegt wurden. Denn der Schlamm, der sich in den Teichen absetzt, wird sonst in den Bach gespült.

Entwicklung von Borstgrasrasen und Bergmähwiesen auf entfichteten Flächen

Auf etwa fünf Hektar sollen sich sogenannte Offenlandlebensräume entwickeln. Dies geschieht auf Flächen, auf denen vorher Fichten wuchsen. Damit sich hier das gewünschte Biotop einstellt, wurde der Boden gemulcht und Heu ausgelegt. Die Samen der Gräser und Kräuter fallen aus dem Heu und keimen. Will man Wiesen und Borstgrasrasen erhalten, bedarf dies natürlich der entsprechenden Bewirtschaftung. Regelmäßig Mahd und Beweidung findet zukünftig auf diesen Flächen statt.

Große Areale für scheue Arten

Um möglichst große zusammenhängende Lebensräume als Ruhezonen für Tiere wie Wildkatze, Fischotter und Schwarzstorch zu schaffen, wurden an einigen Stellen bereits stillgelegte Wege entfernt. Diese waren zum Teil für die militärische oder forstliche Nutzung angelegt worden und werden nach Projektende nicht mehr benötigt. Durch Pacht und Grunderwerb sollten die Lebensräume erweitert werden.

 

Hinweis auf Veröffentlichung

zur Waldentwicklung in Natura 2000-Gebieten im Nationalpark Eifel:

Ab Seite 11 Informationen zur Aktiven Waldentwicklung bei Fichte und Douglasie und zu Eigendynamischen Prozessen in der Waldentwicklung

in Natur in NRW 4/2014